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Einsamkeit

An einen Festivalgewinner eines Festivals von hohem Renommee hat man oftmals mehr Erwartungen, als bei einer Lektüre ohne dieses Vorwissen. Insofern ist mein Blick ein bisschen getrübt, weil ich glaube, dass mich das Unwissen dessen vom Film mehr überrascht hätte können. Trotzdem muss ich meine ungeheure Begeisterung ausdrücken, auch wenn sie sich auf Details, Nuancen beschränkt. Es ist ja gar keine Frage, dass der Film formal exzellent ausgearbeitet ist oder die Darstellenden beeindrucken. Aber was charakterisiert ihn in besonderem Maße und vor allem was missfällt mir an einem gewissen Punkt? Die Unterschiedlichkeit der Schwestern und die Distanz bzw. Nähe, die sich zwischen ihnen bestimmen, ist einzigartig und bemerkenswert, weil sie so subtil inszeniert ist und eigentlich darum der ganze Film kreist, sei es die Körperkonstitution, die mit Nacktheit hervorgehoben wird (und da hat schließlich jede Figur ihre ganz besondere Szene). Andererseits setzt an diesem Punkt meine Kritik ein, weil mir bewusst wird, dass mir der Film nur diese Individualität schildert und nicht mehr! (T.O.)

Ich habe gesündigt
Ich bin ein Sünder

Ich bin Mörder
also gleichzeitig Sünder
Ich bin untreuer Ehemann
also gleichzeitig Sünder

Wie komme ich frei von Sünde?
Wie daraus ausbrechen?

Ein Sünder bin ich
welcher Sterben verdient

(T.O.)

Der Bienenkorb mein Rückzugsort; voll süßer, gelber Erotik. In übermäßig aufgetragenen Gelbtönen bin ich eingesperrt im Bienenwachs meiner Unterdrückung. Ich hab Angst vor der Welt da Draußen. Ich habe Respekt vor der Umgebung. Nur mein eigener Bienenkorb, den ich liebkose, den ich streichle, den ich küsse; ganz zart und verführerisch; ganz reich an idyllischer Struktur. Ich und meine einzelne Honigwabe. Mein Kokon zum Spielen; meine Seele zum Leben.

Jeanette alias Jasmine kontert dem leben und seinem lebenswerten Aspekten durch ihre manische Depression. Woody Allen begibt sich mit dieser Figur zurück zu seinem Interiors Film und zur Mutter dieser Familie, die auch in manischer Depression Selbstmord begeht und zuvor alles und jeden durch ihre innenarchitektonischen Ansprüche zum Wahnsinn treibt. Jasmine ist ganz anders und doch in gewissem Sinne eine tiefere Analyse dieser gebrochenen Familienmutter aus den 70er Jahren. Insofern ist auch Blue Jasmine ein zutiefst melancholischer Film, wobei die komödiantischen Elemente sich an seinen letzten Arbeiten orientieren. Jasmines Identität ist eine erlogene Persönlichkeit, die überstrahlt von ihrer bedingungslosen Schönheit; bedingungslos deshalb, weil Cate Blanchett selbst beim Weinen, mit verrotztem und erschütterndem Gesicht nicht aufhört präsent, schön zu sein. Der Facettenreichtum dieser erlogenen Figur biete Blanchett die Möglichkeit all ihr Repertoire auf den Tisch zu legen – ehrlich/verlogen; zerbrechlich/überzeugend; selbstgefällig/anhänglich... Alles vorhanden, alles auf die Spitze getrieben. Allen stellt die Figur und damit die Schauspielerin in die Mitte, das Zentrum seiner Geschichte und fokussiert die Kamera auf ihr Gesicht, ihre Stimme omnipräsent, ihr Handeln: nichts und niemand hat Platz neben diesem Ich-Zentrum. Die Komödie, die sich im Umkreis dieser Figur abspielt, evoziert die Dreistigkeit und Unfassbarkeit ihrer Person, ihres Umgangs mit ihren Mitmenschen bzw. denen, die sich nicht mehr als zentralen Körper wahrnehmen, sondern an den Rand stoßen: selbst ihren betrügerischen Ehemann stößt sie mit ihrer Ich-Mensch-Aktivität in den Tod. Alles um sie; alles mit ihr, alles auf sie abgestimmt. Die Unstimmigkeiten ihres Lebens, sind der Tod der ganzen Welt. Jasmine als das Epizentrum einer Geschichte mit bedrückend offenem Ausgang. (T. O.)

Dunkle Tage des Lebens. Das Leben welches seine Geschichten unaufhörlich weiter schreibt. Dieselben. Andere. Neu formuliert. Doch Geschichten bleiben es trotzdem. Geschichten die man schon kennt oder Geschichte die man erst lesen muss. Oder wird. Weil müssen muss man nichts. Man muss nicht lesen. Genau wie man nicht leben muss. Genauso. Nicht leben müssen. Nicht leben wollen. Oder auch gar nicht mehr leben können. Da alles das bisher Gelebte einen erdrückt. All die Erinnerung die nicht mehr existiert. Die uns nicht mehr gehört. Aber trotzdem noch da ist. Das gelebte Leben ist manchmal auch ein gelebtes totes Leben. Voller Delirien. Voller Illusion. Unwahrheit. Unreinheit. Unbestimmtheit. Da bleibt nicht mehr viel. Auch das nicht was man schon hinter sich hat. Das ist nur noch zum erinnern da. Zum drüber absterben. (T.O.)

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