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Sidney Lumet

Was stellt da dieser Al Pacino mit uns an? Das ist völlig verrückt. Das ist absolut einzigartig. Dieser wuchtige, außergewöhnliche Kerl. Ein Heiligtum. Was er uns da zeigt, ist vielschichtig, kontrovers. Eine Marke. Ein Individuum als Schauspielender und in jedweder Figur, hier Sunny – zart, energisch, sanftmütig, jähzornig, doch berechenbar, doch kalkulierbar. Ganz anders sein Komplize, der dafür verantwortlich ist, dass Sunny tun und lassen kann, was er will. Ihm ist alles zuzutrauen und deshalb muss er weg. Das weiß auch Sunny und fügt sich. Absoluter Psychowahnsinn. Vieles erinnert von der Konstellation an Twelve Angry Men. Ein Raum, der hier immer wieder nach außen hin aufgebrochen wird. Eine scheinbar nicht lösbare Situation. Trotz allem bleibt Spannung über die gesamte Filmlänge aufrecht erhalten; ist da; ganz präsent. Das ist die Kunst von Lumet. Ein atemberaubender Traum. Ich mag diesen Film schon so lange und jetzt habe ich ihn endlich in 35mm gesehen. Was will man mehr als das. Vielleicht einen anderen Lumet gleich hinter her. Das wäre doch gut. (T.O.)

Eine surreale Szene: ein Stierkampf, die Arena voll mit Menschen und im Zentrum auf dem Schlachtfeld ein Stier, der um sein Leben kämpft. Die Menge kreischt, feiert, will sehen wie der Stier stirbt. Ein Traum, immer wiederkehrend, Warren Black wacht auf. Träume werden Wirklichkeit. Es herrscht Kalter Krieg und die Angst als Konsequenz eines nuklearen Krieges ist allgegenwärtig, führt zu Diskussionen, treibt Unsicherheit in die Gesichter der Menschen. Welchen Wert hat das einzelne Leben noch in dieser Welt, die sich durch einen kleinen Fehler von alleine auslöschen könnte. Die Bedrohung ist so unwirklich wie real. Lumet taucht mit seiner Verfilmung von Eugene Burdicks Roman tief in die (Sur-)Realitäten des Kalten Krieges ein. Ein Zeitbild. Was rechtfertigt Krieg, wodurch definiert er sich, wer hat die Macht der Entscheidung und welcher Zweck liegt in ihm eingetragen. Ein Diskurs findet statt. Die Antworten bleiben ungewiss. Letzten Endes sind die Menschen verantwortlich für das, was sie in dem Konflikt hineinlegen und können ebenso wieder die Barrieren auflösen, die sie selbst konstruiert haben. Das zumindest sagt der amerikanische Präsident zu seinem russischen Kollegen im Film. Henry Fonda in brillanter Manier als Entscheidungsträger des mächtigsten Mannes der Welt. Am Ende entscheiden die beiden Präsidenten den Ausgang dieses mechanischen Fehlers durch den Beweis ihres gegenseitigen Vertrauens und den damit verbundenen Konsequenzen, die unvorstellbar bleiben bis sie Wirklichkeit werden. Moskau und New York sind zerstört. Eine Hypothese. Science-Fiction. Ein sich in die filmische Realität getragener Traum. Now. Countdown to zero. Die kinematographischen Bilder von New York zuvor sind zu Photographien geworden, starr. Das Leben existiert in dieser Stadt nicht mehr. Eine Utopie. Ein Alptraum. Warren Blacks Vision in die Wirklichkeit gesetzt. The Matador. The Matador. Fail-Safe. Weiß. Schwarz. Musik existiert hier nicht. (T. O.)