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Rechnitz. Der Würgeengel (Jossi Wieler, 2009)

Taxonomie: 

„[…] und sie keinen Blick zum Staunen haben.“ (letzter Satz). Diese Boten. Sind das wirklich Boten mit einer Botschaft. Also haben sie tatsächlich etwas zu sagen. Nein. Etwas zu berichten. Zu dokumentieren. Diese Boten mit ihren ekligen, mit Essen verschmierten Fratzen und Fingern. Verschmierte Finger und verschmierte Mäuler. Alles ist doch irgendwie verschmiert. Irgendwie alles und nichts. Da ist auch der Kuchen an den weißen Kacheln. Einfach drüber geschmiert. Ohne Rücksicht auf das Weiß. Auf die Leere. In dieser Leere wurden die Schauspielenden auch angestrahlt von diesem kühlen Licht. Von diesen ganz kühlen Steinkacheln. Das ist klar. Es braucht nicht mehr gesagt zu werden. Wenn man diese ganze Geschichte drumherum kennt. Da braucht es nicht viel zu sagen zu geben. Egal in welcher Weise. Weil man weiß ja um die Toten. Die noch nicht gefunden worden sind. Die nicht mehr anwesend sind. Die das ja auch gar nicht mehr können. Was kann man schon tun. Zwischen diesem Geplaudere und zwischen diesen morbiden Worten. Zwischen diesen verzweifelten Worten. Nein. Verzweifelt sind diese Worte bestimmt nicht. Weil es ja gar keine Verzweiflung gibt. Vielleicht auch gar nicht geben kann. Über was soll man schon verzweifelt sein, wenn man eigentlich gar nichts weiß. Was wissen. Die Kleider. Das nackte Fleisch und diese Worte. Die über allem stehen. Diese Worte als Aktion. Als Kulisse. Als Werk. Als etwas Gesagtes und zwischen diesen Worten der Boten. Essensreste. Klamotten. Pelze. Waffen. Ja. Requisiten. Wie auch die Boten Requisiten sind. Requisiten und Kulisse der Geschichte. Von Vergangenheit. Die es nicht gibt. Die nicht existiert. Welche Vergangenheit und vor allen Dingen welche Gräber. Welche Toten. Die Totenliste existiert ja auch gar nicht. Man hört nur die Schüsse und da fang Ich schon an zu zucken. Da vibriert mein Körper. Ganz schön grausam ist er da zu meinem Geist. Und Körper will doch nicht grausam sein. Die Körper. Die erschossen sind. Die es nicht mehr gibt. Nur noch Bruchstückhaft. Irgendwo wo es kein Licht mehr gibt. Kein Licht mehr dass in die Augen strahlt. Die Dunkelheit und die Toten. Die wir nicht kennen. Deren Körper wir ja nicht sind. Ja. Was bleibt da noch außer Unserer Körperschaft. Die etwas verkörpern kann. Und die Körper der Schauspielenden. Die ja schon seit geraumer Zeit diese Boten verkörpern. Wir gehen hinaus aus dieser Theaterwelt und sind weiter nur Körper. Die vielleicht zu Boten werden. Zu richtigen Boten. Mit einer richtigen Botschaft. Die Wir ja dadurch haben. Dass wir an etwas teilgenommen haben. Was passiert und durch das ORF ein Stück weit dokumentiert ist. Wir gehen raus und spielen irgendwelche Boten.

Quellen und Verweise: 

Rechnitz (Der Würgeengel), Regie: Jossi Wieler, Wien: Wiener Festwochen 2010. Theater Akzent 24.05.2010.