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Before Night Falls (Julian Schnabel, 2000)



Land: USA
Regie: Julian Schnabel
Darsteller: Javier Bardem, Olivier Martinez, Andrea Di Stefano u.a.
imdb.com
Taxonomie: 

Die Kamera bewegt sich mit frivoler Lüsternheit in den Kopf der Axt, vom Baum weg und wieder in die Wunde des Baumes hinein. Diese Kamera saugt alles auf, was sich vor ihr befindet und verwandelt es in unüberwindbare Poesie. Sie hört zu und schafft pittoreske Lebendigkeit. Das untrügliche Auge der Linse fängt alle Worte des Schreibers ein, ummantelt diese Worte mit dem Panorama der Schönheit. Die Kamera ist es, die Reinaldo karikiert, ihm seinen Charakter selbst offenbart und der von der Alltäglichkeit geprägte Ton überschattet zusätzlich alle Fotografien. Der Klang der Poesie fängt an zu leben, wenn die Kamera sich heilig spricht. Jedes Mal, wenn Reinaldo hingerissen dahinschwebt; jedes Mal, wenn sein Herz erwacht, seine Passion beginnt; wenn er anfängt zu beschreiben, wie er seine Welt sieht, entwickelt sich die Magie dieses Films auf ein Neues und die Kamera wird zur handelnden Begleitperson. Das Objektiv blickt Reinaldo ins schmerzverzerrte Gesicht und es wird blühender Tag. Die Gefühlsblutungen eröffnen mir, dem Betrachter, den Zauber seines Schreibverhaltens, die Mystik seiner Biografie und noch viel, viel mehr. Ich bin Hin und Her gerissen. Dieser Film ist mehr. Julian Schnabel ist hier mehr als Regisseur; er ist Maler; Fotograf; virtuoser Künstler. Er lebt für Reinaldo das Leben einen Augenblick weiter und sein Hauptdarsteller Javier Bardem küsst ihm dankend die Füße. Javier lebt nicht nur das Leben von Reinaldo Arenas noch einmal; er maßt sich an Reinaldo Arenas zu sein. Er gibt ihm sein Gesicht, seinen Körper und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass er zurecht diese Rolle nicht nur einfach spielt, sondern bis in die kleinste Haarspitze verkörpert, denn in diesem Film zeigt er wieder einmal seine ganze Intensität, sein Talent Charaktere in die Wirklichkeit zu projizieren und wieder zu einem lebendigen Wesen zu spielen; offenkundig und oberflächlich kein Schauspieler mehr zu sein. Das Besondere und Faszinierende ist. Before Night Falls wird vor allem dann noch schöner, wenn Viktor, der Oberaufseher, mit seiner Pistole in Reinaldo’ s Mund lüstern herumstochert und versucht ihn von der Revolution zu überzeugen. Diese kurze Szene, in der Johnny Depp zum zweiten Mal auftritt, entwickelt sich für mich, mit zunehmender Distanz, zum wundervollsten und aussagekräftigsten Augenblick des Films. Die Poesie, die Wirkung der Kamera eröffnet unerwartet nochmals eine Steigerung. Das Schöne und Wunderbare ist, dass zu allem künstlerischen Überfluss die Schönheit dieses Films nicht mehr aufhört; sie entwickelt sich weiter; driftet hinaus; schwemmt sich wieder zurück. Als die Pflanze die rasende Bilderlandschaft des Verfalls kreuzt und die lyrischen Worte Reinaldos untermalt, beginnt für mich, neben der eben genannten Szene, der schönste Abschnitt des Films; dieser Abschnitt hat den Mut sich selbst zu zeichnen; sich zu öffnen und zu schließen; hoch und runter; wobei Melancholie und Tragik sich vermischen. Das Ende rückt näher und man wird zunehmend in eine traurigere Stimmung versetzt, um letztendlich im Abspann zu bemerken, dass ein unbegreiflich eindrucksvoller Film schon vorüber ist. (T.O.)

Quellen und Verweise: 

Before Night Falls, Regie: Julian Schnabel, DVD-Video, Kinowelt Home Entertainement 2007; (Orig. US 2000).